Fitness Armband – sinnvoll als Trainingsgerät oder Spielerei?



Ist ein Fitness Armband für Kinder sinnvoll?

Seit einiger Zeit schwappt ein neuer Trend über die Fitnessbranche hinweg: Das Fitness Armband. Die bunt designten Accessoires werden von fast allen namenhaften Herstellern angeboten und sollen uns dabei helfen, die eigene Sportlichkeit zu steigern, abzunehmen und gesünder zu leben. Dies soll durch eine ganzheitliche Erfassung aller Bewegungen im Alltag sowie im Sport geschehen. Anschließend kann man sich die Werte am Display vom Trainingsgerät oder mit Hilfe von Apps oder Zusatzprogrammen auf Smartphone oder Laptop anzeigen lassen. Natürlich kann man seine Ergebnisse auch in sozialen Netzwerken mit anderen teilen. Doch ist dieses Tool wirklich sinnvoll oder einfach eine Spielerei?

Wie funktioniert ein Fitness Armband überhaupt?

Die Armbänder nutzen für ihre Messungen Lage- und Bewegungssensoren, ähnlich wie jene, die heutzutage in fast allen Smartphones verbaut sind. Diese Sensoren merken beispielsweise, wann ich laufe und zählen die Anzahl der Schritte, die ich mache. Zusätzlich kann man einem Fitness Armband via Handy mitteilen, dass man andere Aktivitäten wie Radfahren oder Yoga macht und wie intensiv man dies getan hat. Eine automatische Unterscheidung verschiedener sportlicher Aktivitäten ist dabei leider nicht möglich. Die manuelle Eingabe ist bei den Armbändern recht mühselig, da sie in der Regel erst mit einem Handy verbunden werden müssen. Einige Modelle haben zusätzliche Funktionen, bei denen man angeblich sehr einfach sein Ess- und Schlafverhalten optimieren kann. In der Realität sind diese Messungen auch durch die beschränkten Eingabemöglichkeiten und bei der Schlafanalyse durch fehlerhafte Messungen eher schwierig.

Wie hoch ist die Genauigkeit und sind zusätzliche Funktionen sinnvoll?

Die wichtigste Funktion der Fitness-Armbänder ist zweifelsohne das Messen der Schritte und der zurückgelegten Distanz. Grundsätzlich funktioniert dies auch ohne Probleme, aber man stellt sich natürlich sehr schnell die Frage, wie genau so ein Armband eigentlich misst ? Das muss man leider mit „nicht genau genug“ beantworten. Denn bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass verschiedene Modelle um ca. 6% bis 25% bei der Schrittzählung daneben lagen. Wer keine schrittbasierten Sportarten betreibt (wie z.B. Radfahren), der muss erst einmal die entsprechende Sportart per Software oder App nachrüsten und manuell eingeben. Eine korrekte Messung beim Schwimmen ist bei den meisten Fitness-Armbändern leider nicht möglich. Da das Armband am Handgelenk sitzt und dort die Bewegungen misst, ist der kleine Helfer zudem ziemlich leicht auszutricksen. Wackelt man beispielsweise auf der Couch ein bisschen mit dem Handgelenk, kann man so schnell einen Lauf im Park simulieren. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache, aber eine Funktion, die Schummelei entdeckt und verhindert, gibt es nicht.

Positive Aspekte

Folgt man den bisherigen Ausführungen, sprechen eigentlich wenige Argumente für den Kauf eines Fitnessarmbands. Trotzdem kann es für einige Menschen ein sehr sinnvoller Kauf sein und die eigene Gesundheit stärken. Schauen wir uns einmal die positiven Aspekte der Armbänder an. Das Unwichtige vorweg – Mode ist natürlich immer Geschmackssache, aber die kleinen digitalen Messgeräte sehen schon cool aus und vermitteln ein hippes Lifestyle-Gefühl. Wichtiger sind jedoch die vielen kleinen Funktionen zur Motivationshilfe. Beispielsweise leuchten die Armbänder grün oder belohnen den Nutzer mit Smileys, wenn er eine bestimmte Anzahl von Schritten am Tag oder in der Woche erreicht hat. Nützlich ist dabei die Option, die Zielvorgaben ändern zu können, so dass sowohl der Bewegungsmuffel als auch der Hobbyläufer seine Ziele sinnvoll und individuell einstellen kann.

Die Analyse seiner Werte macht ebenfalls Spaß und wird graphisch hübsch aufbereitet. Auch warnen die Armbänder den Nutzer, wenn man sich zu lange nicht bewegt hat oder geben Tipps, wie man seine Schrittzahl im Alltag effektiv steigern kann. Eine zusätzliche Portion Motivation kann auch die Community bieten. Man kann mit der Software der Armbänder Trainingsgruppen bilden und seine Erfolge mit anderen teilen. Lässt man sich darauf ein, kann das ein sehr hilfreiches Tool sein, um seine Ziele langfristig zu erreichen.

Pro:

  • intuitive Messung der zurückgelegten Schritte
  • graphische Darstellung der Bewegung und Analyse
  • Möglichkeit, neben schrittbasierten Aktivitäten auch andere Sportarten einzugeben
  • Möglichkeit zur Bildung von Online-Trainingsgruppen im Netz
  • Positive Bestärkung bei Erreichen der Bewegungsziele
  • Warnung bei zu wenig Bewegung
  • Hilfestellungen, um ausreichend Bewegung im Alltag zu generieren
  • Schickes Lifestyle-Produkt

Contra:

  • Messungen zu ungenau
  • Messungen werden durch „nicht-sportliche“ Bewegungen verfälscht
  • Für ambitionierte Sportler nicht zu gebrauchen
  • Viele Eingaben (Radfahren, Schlafanalyse, Ernährung) müssen manuell gemacht werden
  • Manuelle Eingabe meist nur übers Handy möglich und recht mühselig
  • Schlafanalyse nicht wirklich ausgereift
  • Lässt sich leicht austricksen
  • Teilweise nicht wasserdicht

Fazit – Ist der Kauf von einem Fitness Armband sinnvoll?

Die trendigen Armbänder sind sicherlich kein wissenschaftliches Messinstrument, einen grundsätzlichen Nutzen als Bewegungsmotivation kann man ihnen aber auch nicht absprechen. Wer beim Laufen eine möglichst exakte Steuerungsmöglichkeit sucht, sollte hier jedoch weiterhin zu einer klassischen Pulsuhr greifen. Vielmehr ist das digitale Armband eine Motivationshilfe für jeden, der auf ausreichend Bewegung im Alltag achten möchte oder muss. Das kleine Helferlein erinnert einen daran, wenn man sich zu wenig bewegt, gleichzeitig belohnt es einen auch, wenn man seine Ziele erreicht. Die graphische Analyse und die Aktionen in sozialen Netzwerken machen durchaus Spaß und wirken sich je nach Typ positiv auf die Langzeitmotivation aus. Trotzdem sollte man sich bewusst darüber sein, dass die Geräte nicht zur Trainingssteuerung und 100% korrekten Erfassung der körperlichen Aktivität taugen!