Kooperation zwischen Schule und Verein – Sportunterricht durch Sportvereine



Kampfsport könnte bei einer Kooperation zwischen Schule und Verein gefördert werden

Die neuen Entwicklungen hin zu mehr Ganztagsschulen und dem 8-jährigen Gymnasium (G8) führen dazu, dass Kinder und Jugendliche immer weniger Freizeit haben und nicht zuletzt die Sportvereine von einem starken Rückgang jüngerer Mitglieder bedroht sind. Somit rückt eine engere Kooperation zwischen Schule und Verein zwangsläufig mehr in den Fokus.  Häufig wird auch kritisiert, dass den Kindern nach der Schule und neben Hausaufgaben kaum noch Zeit bleibt, um Freunde zu treffen oder in den Sportverein zu gehen.

G8 und Ganztag als Chance oder Risiko für den Sportverein?

Bereits der Sportentwicklungsbericht aus dem Jahr 2012, der in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft, der Deutschen Sporthochschule Köln und dem Deutschen Olympischen Sportbund erstellt wurde, zeigt, dass die Vereine durch die Entwicklung der Schulpolitik mehr Gefahren als Chancen sehen. Vor allem die fehlende Freizeit wird als Grund genannt, warum die Vereine Angst haben, dass immer weniger Kinder und Jugendliche den Weg in die Sportvereine finden. Wir wollen trotzdem einmal etwas genauer hinschauen und versuchen aufzuzeigen, wie eine Kooperation zwischen Schule und Verein voneinander profitieren kann und was es für geeignete Möglichkeiten gibt.

Von über 16.000 Sportvereinen in Deutschland gaben nicht einmal 20% an, dass bereits eine Kooperation zwischen Schule und Verein besteht. Dies kann grundsätzlich in Form von gemeinsamen Angeboten im Rahmen der Sportunterrichtes, der gemeinsamen Anlagennutzung, freiwilligen Sport-AGs oder während der Ganztagsbetreuung durch die Vereine geschehen. Dies könnte auch automatisch dazu dienen, dass Kinder und Jugendliche auf die außerschulischen Vereinsangebote aufmerksam gemacht werden.

Gerade wenn man bedenkt, dass die Schulen häufig dafür kritisiert werden, dass Sport nicht den nötigen Stellenwert im Lehrplan erhält und immer weniger Sportunterricht stattfindet, ergeben sich hier hervorragende Möglichkeiten, von denen sowohl die Schule als auch der Sportverein profitieren könnte. Neben einem Mangel an qualifizierten Übungsleitern und dem nötigen Informationsaustausch, scheitert es dabei häufig auch an der Finanzierung solcher Sportangebote. Da nicht jeder Schüler kann gleichzeitig auch Vereinsmitglied werden. Hier sind die Schulen und Ministerien gefordert, den Vereinen Anreize zu geben, die über die reine Werbung für die außerschulischen Vereinsangebote hinausgeht.

Sport macht nicht nur den Körper fit!

Zudem gilt es mittlerweile als erwiesen, dass sich der Sportunterricht nicht nur positiv auf die Gesundheit und das Sozialverhalten der Schüler auswirkt, sondern durch eine höhere Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit in Fächern wie Mathe oder Deutsch erreicht wird. Insgesamt können von sportlich aktiven Schülern und Schülerinnen bessere Leistungen erbracht werden. Allein dies sollte ein Ansporn für die Schulen sein, aktiv nach einer Kooperation zwischen Schule und Verein zu suchen.

Worin liegen die Vorteile einer Kooperation zwischen Schule und Verein?

Die Motivation und das Interesse zu einem gemeinsamen Angebot müssen zunächst geweckt werden, so dass beide Parteien die Vorteile einer Zusammenarbeit erkennen. Nachfolgend haben wir die größten Vorteile einer Kooperation zwischen Schule und Verein noch einmal stichpunktartig dargestellt.

Vorteile einer Kooperation zwischen Schule und Verein in der Übersicht:

Vorteile für die Schulen:

  • Ausbau und Erweiterung des Sportangebotes an der Schule
  • Förderung der Gesundheit sowie positive Auswirkungen auf andere Schulfächer
  • Entlastung des Lehrpersonals
  • Methodisch-didaktische Weiterbildung des begleitenden Lehrpersonals
  • Nutzung der Sportinfrastruktur kooperierender Vereine
  • Zusätzliche Trainingsgeräte durch die Vereine
  • Positive Außendarstellung und Steigerung des Bekanntheitsgrades
  • Finanzielle Unterstützung durch mögliche Fördermittel der Bundesländer

Vorteile für die Vereine:

  • Präsentation der Vereinsangebote und Gewinn neuer Mitglieder
  • Langfristige Bindung von Kindern und Jugendlichen über die Schulzeit hinaus
  • Sportpädagogische Weiterbildung der Übungsleiter und Erfahrungsaustausch
  • Möglichkeit der Talentsichtung und -förderung in den Schulen
  • Nutzung der Sportinfrastruktur kooperierender Schulen
  • Positive Außendarstellung und Steigerung des Bekanntheitsgrades
  • Finanzielle Unterstützung durch mögliche Fördermittel der Bundesländer

Positiv ist, dass die Zahl der Kooperationen zwischen Schulen und Sportverereinen derzeit ansteigt, wobei das große Potenzial, das in diesem Bereich vorhanden ist, noch lange nicht erschöpft ist.

 

Literatur:
1Prof. C. BREUER, S. FEILER, M.Sc. P. WICKER: Sportentwicklungsbericht 2011 – Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland – Schulpolitische Veränderungen und Sportvereinsentwicklung, Köln 2013.